Verträge kommen nicht aus der Wundertüte.
Klarheit schaffen mit einer Auftragsbestätigung.
Was tun, wenn's Streit mit den Auftraggebern im WDR gibt? Am besten gleich
nachgeben, könnte man zynisch sagen. Denn die Redaktion sitzt am längeren
Hebel. Niemand kann sie daran hindern, bestimmte freie Mitarbeiter nicht
mehr zu beschäftigen, weil sie mit ihnen nicht mehr klar kommt. Doch
das muß nicht so sein. Freie Mitarbeiter, die nicht alles mit sich
machen lassen, gewinnen dadurch auch an Profil. Mancher hat sich später
gewundert, daß dieselbe Redaktion trotz eines Streites wieder bei
ihm anrief und eine Leistung/einen Beitrag bestellte.
Der WDR ist zudem intern pluralistisch genug, daß auch nach einem
üblen Streit mit der einen Abteilung sich eine andere findet, die
noch mit dem Freien zusammenarbeiten will. Für den einen Redakteur
kann es sogar ein Indiz für Qualität sein, wenn ein freier Mitarbeiter
mit dem anderen im Clinch liegt.
Um nicht von einem einzigen Auftraggeber abhängig zu sein, empfiehlt
es sich ohnehin, mit mehreren ein gutes und profitables Verhältnis
zu pflegen.
Durch Klarheit Ärger vermeiden - Die Auftragsbestätigung
Streit kann am ehesten vermieden werden, wenn Auftraggeber und Auftragnehmer
zu jeder Zeit der Zusammenarbeit eindeutige Abmachungen getroffen haben.
Ein Fall aus der Praxis: Einen Autor verabredet mit einer Redaktion
ein Hörfunkfeature, für das er nach Afrika fahren muss. Thema:
Wir begleiten den Transport einer Trafostation zum Zielort. Die Trafostation
blieb zwar in einem westafrikanischen Hafen hängen, aber der Freie
kam dennoch mit genug Material für ein Feature zurück. Nur war
er entsetzt über die Reaktion der Redakteurin. Die hatte alles ganz
anders verstanden: "Ich dachte, Sie fahren sowieso hin und bringen uns
was mit, und wir entscheiden dann, ob's was geworden ist." Die Redaktion
ließ das Radiofeature platzen und bestritt jeden Anspruch des Autors
auf eine Bezahlung.
Jeder Hauch einer Unklarheit sollte frühzeitig ausgeräumt
werden. Wenn mündlich alles klar zu sein scheint, empfiehlt es sich
im Interesse beider Seiten immer noch, der Redaktion eine schriftliche
Auftragsbestätigung zu schicken. Die gibt der Redaktion Gelegenheit,
die Punkte zu monieren, bei denen sie anderer Auffassung über die
Abmachungen ist. Und sie gibt beiden Seiten mehr Sicherheit.
Bei allen Aufträgen ist es eigentlich vorgesehen, daß die
HoLi vor Beginn der Arbeit einen Vertrag ausstellt, in dem das Nötigste
geregelt ist: Art des Werkes, Tätigkeitszeitraum, Ablieferungsdatum,
Vergütung, Zahlungsmodalitäten .... Viele Redaktionen haben sich
angewöhnt, das zu verschlampen und den Wunsch danach als ein ganz
ungehöriges Ansinnen zu sehen. Es ist an der Zeit, ihnen das Selbstverständliche
wieder anzugewöhnen.
Doch selbst wenn ein Vertrag ausgestellt wird, ist eine Auftragsbestätigung
nützlich, weil sie detaillierter sein kann.
Wichtige Dinge, die einer Auftragsbestätigung stehen können,
sind:
Beschreibung des Produktes/der Leistung, die geliefert werden
soll
Umfang der Arbeit
Produktions- und Lieferdaten
Die vereinbarte Vergütung bzw. die Position des Honorarrahmens,
nach der bezahlt werden soll.
All das kann als ein freundliches und kollegiales Fax formuliert werden,
z.B. so:
"Lieber xy,
um sicher zu sein, daß wir uns vorhin am Telefon ganz richtig
verstanden haben, habe ich unsere Vereinbarungen einmal kurz aufgeschrieben.
Ich fahre also am kommenden Donnerstagabend zur Kaninchenzüchtermesse
nach Bottrop, sammele dort Freitag früh Eindrücke und besorge
zwei originelle Gesprächspartner, mit denen ich für Euch über
den Einfluß der Kaninchenzucht auf ihr Familienleben sprechen werde,
und zwar bei einer Liveschalte um ungefähr 11.10 Uhr am Freitag. Erreichbar
bin ich für aktuelle Absprachen unter der Handynummer 0190-696969.
Für die Technik sorgt Euer Reportagewagen am Ort, bei dem ich mich
um 10.30 melden werde. Wir hatten uns darauf geeinigt, daß Ihr das
übliche Honorar um 150 Mark aufstockt, weil ich schon am Abend vorher
anreisen muß - und weil ich ein in langjähriger Recherche qualifizierter
Kaninchenzuchtexperte bin."
Einen weiteren Vorteil hat so ein Bestätigungsbrief: Er erspart
der Redaktion Aufwand für interne Absprachen. Der Planungsredakteur
kann das Blatt Papier dem Senderedakteur in die Mappe legen, der Produktionsassistent
kann ihn der Besatzung des Reportagewagens geben - und am Ende geht auch
die Absprache über das Honorar hoffentlich nicht auf dem Weg ins Redaktionssekretariat
verloren.
Wenn es dann doch Streit über den Auftrag geben sollte (etwa weil
der Senderedakteur selbst Kaninchenzüchter ist und das Thema "Auswirkung
aufs Familienleben" an dieser Stelle völlig deplaziert findet), dann
hilft das Bestätigungsschreiben dem Freien. Die ursprüngliche
Absprache ist darin gut dokumentiert - bei Änderungswünschen
hätte sich die Redaktion rechtzeitig melden können. Zu Favoriten hinzufügen (378) | Artikel zitieren | Aufgerufen: 3661 | Drucken
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