... zum Honorarrahmen
Auszug aus dem WDR-Dschungelbuch - zur Geschichte und Einschätzung des WDR-Honorarrahmens.
vom internen WDR-Papier...
Zwei Zahlen stehen hinter jeder Postion des WDR-Honorarrahmens: Ein
Mindestsatz und ein Höchstbetrag, den Freie für ihre Leistungen
bekommen sollen. Den Honorarrahmen gibt es spätestens seit den 60er
Jahren. Damals war der Honorarrahmen eine vom Sender allein erlassene Anweisung
an die Redakteure. Für den Sender war immer schon vor allem die rechte
Spalte wichtig, die mit den Höchstsätzen.
In der "Dienstanweisung" des WDR-Intendanten Bismarck "zum Gebrauch
des Honorarrahmens" vom 30.9.1970 hieß es: "Eine Unterschreitung
der Minimalsätze ist jederzeit zulässig. Die im Honorarrahmen
vorgesehenen Höchstsätze dürfen nur in begründeten
Ausnahmefällen überschritten werden. Die Überschreitung
des Höchstsatzes ist schriftlich zu begründen."
... zum Tarifvertrag
Das ist vorbei. Weil der Honorarrahmen ein Tarifvertrag geworden ist,
sind die Mindestsätze heute verbindlich. 1981 schloss die (später
der IG Medien beigetretene) Rundfunk-Fernseh-Film Union RFFU mit dem WDR
den "Tarifvertrag über Mindestvergütungen" ab. Mit dem Tarifvertrag
wurde der bestehende Honorarrahmen zunächst weitgehend übernommen.
Die Mindestsätze dürfen nun nicht mehr unterschritten werden.
Die Spalte des Honorarrahmens mit den Höchsthonoraren wird dagegen
weiterhin einseitig vom WDR ausgefüllt. Vergütungen über
die Maximalbeträge hinaus dürfen die WDR-Abteilungen nur mit
Zustimmung der Chefs bezahlen, lautet die WDR-interne Regel.
Mängel des Honorarrahmens
Leider stammen heute noch viele Positionen des Honorarrahmens aus den
60er Jahren, als ein völlig anderes Fernseh- und Hörfunk Programm
gemacht wurde. Die erste Magazinsendung des deutschen Radios - das WDR-Morgenmagazin
- war gerade erst erfunden. Es dominierten längere Wortbeiträge,
Musiksendungen, Hörspiele und Features. Außer dem werktäglichen
"Hier und Heute" gab es im Fernsehen keine Magazinsendungen - also empfand
man es 1970 nicht als großen Mangel, dass im Honorarrahmen nur eine
einzige grob gefasste Position für tagesaktuelle TV- Berichte stand.
Die meisten anderen Berichte waren "Magazinbeiträge". Auch für
das "Bearbeiten von Filmberichten" gab es nur eine einzige Zeile, für
alle Berichte "bis 60 Minuten".
Viele Honorarziffern wurden bis heute nicht reformiert und den neuen
Programmstrukturen angepasst. Dadurch konnte der Tarifvertrag jahrzehntelang
in vielen Bereichen nur einen geringen sozialen Schutz entfalten - er liegt
häufig zu weit neben der Arbeitsrealität.
Die ganze Palette unterschiedlicher Berichte in den Regionalmagazinen
wurde bis in die 90er Jahre hinein weitestgehend nach einer einzigen Honorarposition
bezahlt, als tagesaktueller Bericht. Der Mindestsatz lag mit etwa 400 Mark
weit unter den effektiv gezahlten Sätzen. Sparkommissaren, die mit
gleichen Etat mehr Sendeminuten füllen wollen, bietet solch ein Honorarrahmen
gefährlich viel Spielraum zu Kürzungen.
Den Redaktionen andererseits boten die Spalten und Zeilen des Honorarrahmens
nur wenig Hilfe beim Ausfüllen der "Honorarvorschläge". Viele
bastelten sich deshalb eigene Honorierungsrichtlinien. Als die Formulare
noch mit der Schreibmaschine ausgefüllt wurden, fanden sich darauf
Ziffern wie "6.52 analog", denn so direkt war die bezahlte Leistung nicht
im Honorarrahmen zu finden.
Manche Redakteure im WDR halten die Höchstsätze des Honorarrahmens
für zu gering. Aufwendig recherchierte Reportagen und Dokumentationen
sind zu diesen Sätzen nicht zu leisten. Qualifizierte und geschätzte
Freie weigern sich, selbst zu den Höchsttarifen zu arbeiten. Sie wandern
zum Teil zu Privatsendern ab. Sie kommen beim WDR nur auf Umwegen zu einer
angemessenen Bezahlung - mit einem Extra-Vertrag für "fachliche Beratung"
oder ähnlichen Kunstgriffen.
Permanente Verhandlungen
In den 90er Jahren begann die IG Medien in ihren Tarifverhandlungen
damit, den Vergütungstarifvertrag aktiv den gewandelten Realitäten
anzupassen. Die Tarifkommission verhandelte eine neue Honorarstruktur für
die Fernseh-Regionalprogramme und für Hörfunkautoren. Dabei bemühen
sich die Verhandler, möglichst klar zu definieren, wann ein höheres
Honorar bezahlt werden muss. Denn Arbeiten für den WDR muss attraktiv
bleiben, sowohl im Interesse des Senders als auch der Freien.
Die Tarifverhandlungskommission ist auf engen Kontakt mit den Freien
angewiesen, die von den Tarifabschlüssen betroffen sind, damit nicht
aus Informationsmangel schlechte Abschlüsse unterschrieben werden.
Es sollten aber mehr Betroffene bei den Verhandlungen oder den Vorbereitungen
dazu mitmachen.
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